‘Ach, das ist endlich mal was Neues und Erfrischendes’, hieß es monatelang in den Straßenumfragen zum neuen Deutschpopsternchen Lena, wie sie so in Indietracht und mit ominösen Akzent den Grandprix rockte.
Ob das nun gefällt, sei mal dahin gestellt, aber innovativ ist das schon lange nicht mehr, denn was die Lena in Deutschland als ‘frisch’ verkauft, wird auf der ganzen Welt schon seit Jahren von komplett ungecasteten Künstlerinnen gemacht.
Erinnern wir uns beispielsweise an Feist, die mit “1,2,3,4″ vorletztes Jahr einen der schönsten Mitsing- und -Tanz-Songs geschrieben hat, davor schon in der berühmt berüchtigten kanadischen Supergroup Broken Social Scene mitwirkte und mittlerweile bei jedem zweiten Mädchen zu hause im CD-Regal steht.
Oder Miss Li, die charmante Schwedin, die mit 50er Jahre Garderobe und Burlesque-Band über schweinische alte Männer (“Dirty Old Man”) singt und mit “Oh Boy” ähnlich wie Feist schon in den allseits beliebten Ipod-Werbespots animierte Schatten zum Tanzen gebracht hat.
Den wirklich echten britischen Akzent bekommt man übrigens am Besten original von der Insel, etwa von Zuckerschnute Kate Nash, die gerade dieses Jahr ihr zweites Album “My best Friend is you” veröffentlichte und zusammen mit RnB Pop-Proletin Lilly Allen dafür gesorgt hat, dass man auch mal ohne riesiges Dékolleté und kurzen Röcken in die Top 10 kommen kann. Dass beide Damen gerne mal in Interviews fluchen wie die Kesselflicker kann man ihnen dann auch verzeihen.
Und wer es weniger poppig mag, der kann mit Florence & the Machine über Werwölfe und Rachepläne an geschwätzige Vögel singen. Diese Dame überzeugt übrigens auch durch grandiose Percussion und Background-Chöre, die ihren Songs etwas mehr Kraft verleihen und dafür auch diejenigen erfreuen, die nicht wirklich auf niedliche Mädchensongs stehen.
Vielleicht brauchen manche Musiktrends eine Weile, bis sie nach Deutschland überschwappen, allerdings wäre es schon schön, wenn man sie dann nicht auf nervige Lieder über künstliche Raumflugkörper herunter brechen, sondern sie den wirklichen Trendgebern zuschreiben würde.
Sorry Lena, beim Grandprix mag man ja noch nie was von der Welle an weiblichen Popsängern mit Biss gehört haben, aber der Rest der Welt darf dann trotzdem fragend die Augenbraue hoch ziehen, wenn du schon wieder als ‘frisch’ und ‘innovativ’ bezeichnet wirst.
Da hören wir uns doch lieber Marina & The Diamonds an, die Dame ist nämlich wirklich mal eine gelungene und individuelle Abwechslung.







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